Endlich eine mutige Forderung : Professor Birger Priddat wies auf, dass eine Verdoppelung der Anzahl der Lehrer bei gleichzeitig erhöhter Qualität für eine Beseitigung der Bildungsmisere notwendig ist.

("Der Talk" auf NDR-Info am 02.11.08)

Professor Birger Priddat ist Wirtschaftswissenschaftler und Wirtschaftsphilosoph. Seit gut einem Jahr leitet er die Universität Witten/Herdecke - Deutschlands älteste Privatuniversität - und das in äußerst schwierigen Zeiten. In diesem Sommer ist der Hauptsponsor der Privatuniversität überraschend abgesprungen. Birger Priddat muss die seit 1982 bestehende, überwiegend privat finanzierte, Universität in der deutschen Hochschullandschaft reformieren und festigen. Als ebenso streitbarer wie charmanter Visionär mischt sich Birger Priddat immer wieder in politische und gesellschaftliche Wertediskussionen ein: zur Bildungspolitik, zur Rolle des Kapitalismus, zur Moral von Unternehmern und Vorständen oder auch zum deutschen Gerechtigkeitsempfinden.


Es ist der Begriff Realwirtschaft geprägt worden. Ist somit das internationale Finanzwesen die Irrealwirtschaft ?


Gewiss hat die Weltfinanzkrise ihre tieferen Wurzeln in der Perversion der Wertvorstellungen gewisser größenwahnsinniger Manager, hat also zutiefst mit der Bildung zu tun, speziell mit der "Verbildung" jener. Bischof Reinhard Marx und Präsident der Sozialkommission äußerte sich zur Finanzkrise: "Es ist richtig, dass die Regierungen der Europäischen Union jetzt alles tun müssen, um die Vertrauenskrise zu beheben, die gegenwärtig die Finanzmärkte erschüttert. Die katholische Soziallehre kennt seit langem den Vorschlag einer Ordnungspolitik auf Weltebene auch für die Finanzmärkte. Nur so können mehr Gerechtigkeit, Transparenz und Verantwortlichkeit geschaffen werden. Das muss jetzt ins Werk gesetzt werden. Es ist dann weiter wichtig, dass unsere Regierungen und die europäischen Institutionen sich für das Schicksal jener Menschen interessieren, die häufig ohne eigenes Verschulden die sozialen Konsequenzen der Finanzkrise zu tragen haben werden. Gerade jetzt muss die Tragfähigkeit des europäischen Sozialmodells unter Beweis gestellt werden, damit aus der Finanzkrise keine politische und soziale Krise wird."
Endlich sollten bei Investitionen im Bildungswesen nicht nur für Gebäude, technische Geräte u.a. "Hardware" sondern auch zur Schaffung von Arbeitsplätzen für gute Lehrer und Kindergärtnerinnen Steuergeld investiert werden, denn hier gibt es einen Gegensatz zwischen dem, was Politiker sagen, und dem was in der Realität geschieht.




Am 18.09.2008 jährte sich der Todestag von Leonhard Euler (15.04.1707-18.09.1783). Sein Name verbindet sich heute mit der Eulerschen Zahl e, die die Basis einer der wichtigsten mathematischen Funktionen, der e-Funktion, aber auch deren Umkehrfunktion, nämlich der natürlichen Logarithmusfunktion f(x) = ln x ist. Die Eulersche Formel exp(ix) = cos x + i sin x leistet gute Dienste bei der mathematischen Beschreibung von Schwingungen und Wellen. Eulers umfangreiches Werk umfasst über 800 Titel. Von meinem ehemaligen Mathe-Lehrer hörte ich über Euler die Story, dass dieser gern einen über den Durst trank, dann aber zusätzlich in diesem Zustand die Lust verspürte, in die Sterne zu gucken. Dabei musste Euler sich aber an Fernrohr und Schemel anbinden lassen. Lesen Sie hier mehr zum Thema.
(18.09.2008)

In der Nacht zum 11. September 2008 verstarb infolge einer schweren Krankheit Klaus J. Jacobs, ein großzügiger Förderer von Bildung und Wissenschaft. Zur Geschichte der Firma Jacobs-Kaffee
Am 01.11.2006 meldete www.spiegel.de :
"Die Schweizer Jacobs Foundation will 200 Millionen Euro in die Bremer Privatuniversität investieren und auch eine Zwei-Drittel-Mehrheit der Gesellschafteranteile übernehmen. Der Plan: In den kommenden fünf Jahren gibt sie jährlich 15 Millionen Euro für Forschung und Lehre; im Jahr 2011 will sie zusätzlich 125 Millionen Euro bereitstellen, um so ein 'wettbewerbsfähiges Ausbildungs- und Forschungsniveau dauerhaft zu gewährleisten'. Den Stiftern zollt die Hochschule mit einer Namensänderung Tribut, streicht das 'International' und firmiert fortan unter 'Jacobs Universität Bremen'."



Am 28.08.2008 jährte sich der Geburtstag von Johann Wolfgang von Goethe. Auch zur Frage "Wie ist die Welt beschaffen ?" hatte er etwas zu sagen.
(30.08.2008)

Schulfriede und Sortierauftrag sind trotz PISA immer noch wichtiger als der Bildungsauftrag

In Fürstenfeldbruck wurde die Lehrerin Sabine Czerny strafversetzt, weil sie die Schüler zu erfolgreich unterrichtete.


Klaus Wenzel, Präsident Bayerischer Lehrer und Lehrerinnenverband (BLLV): "Wenn sich einer zu sehr auf diesen Bildungsauftrag konzentriert und diesen Sortierauftrag auf die Seite schiebt, hat die Spielregeln verletzt. Und ich habe den Eindruck, dass das bei Frau Czerny so ist, dass sie sagt, ich kümmere mich um jedes einzelne Kind, so gut es geht. Ich versuche, jedes Kind so zu fördern, dass es nicht nur guten Erfolg hat, sondern dass es auch Freude am Lernen hat, und das kann dann dazu führen, und bei Frau Czerny war das offensichtlich so, dass auch viele Kinder durch dieses freudvolle Lernen zu guten Ergebnissen kommen."
Lesen Sie hier mehr zum Thema.
(15.08.2008)

650 Jahre - Bremen in der Hanse



Haus Schütting - Sitz der bremischen Wirtschaft, erbaut 1537/38 im Stil der niederländischen Renaissance, damals Versammlungsstätte der bremischen Kaufmannschaft, als sie schon Mitglied der Hanse war. Bereits am 3. August 1358 trat Bremen der Hanse bei. Doch im Vergleich zu den anderen Hansestädten trat Bremen spät bei, weil es sehr eigenwillig und freiheitsliebend ist. Es wurde sogar darum mehrfach aus der Hanse ausgeschlossen.
Lesen Sie hier mehr zum Thema.
(11.08.2008)

War diese Talk-Show bei Anne Will eine Wiederholung ? Jedenfalls kam es vielen so vor !

Sicher liegt es nur daran, dass die Beiträge der Gesprächsteilnehmer wie eine ewige Wiederholung von bereits Gesagtem wirkten und kaum die Ursachen des Dilemmas angesprochen wurden. Nur von Günter Wallraff und Özcan Mutlu kamen Hinweise dazu.


"Mehr verlangen von denen, die seit langem ohne Job sind, das will auch Wirtschaftsminister Michael Glos. Sein Vorschlag: Langzeitarbeitslose sollten zur Arbeit für das Gemeinwohl verpflichtet werden. Auch Heinz Buschkowsky, SPD-Bürgermeister in Berlin-Neukölln, dem bundesweit bekannten 'Problembezirk' mit hoher Arbeitslosenquote, findet, zu viele Bürger hätten sich in einem vom Staat finanzierten Leben eingerichtet. Er ist überzeugt: Fördern geht nicht ohne fordern." mehr
(28.07.2008)

Gibt es in der gymnasialen Oberstufe weniger Schlendrian
als in den unteren Klassen ?

Schon drei Wochen vor Ferienbeginn erzählte mir ein Schüler der 10.Klasse :
"Wir machen vor den Ferien jetzt gar nichts mehr." Immer wieder wird mir
berichtet, dass bei Unterrichtsausfall keine Vertretung den Unterricht übernimmt.
- Eine Folge der Sparpolitik im Bildungswesen in den vergangenen Jahren. Dabei verschwendet der Staat ständig Steuergelder. Der Steuerzahlerbund :
"30 Milliarden Euro an Steuergeldern werden schätzungsweise Jahr für Jahr verschwendet, d.h. Bund, Länder und Gemeinden könnten mühelos zweistellige Milliardenbeträge einsparen, wenn weniger sorglos, weniger großzügig und dafür aber effizienter mit dem Geld der Steuerzahler umgegangen würde." mehr



In meiner Schulzeit war es so etwas Seltenes, dass in unserer Schule eine Unterrichtsstunde ausfiel, so dass unser künstlerisch begabter Mitschüler vor lauter Begeisterung die Szene (wir - jeder mit einem Lutscher im Gänsemarsch an der Bordkante) auf der Schultafel festhalten musste.
(18.06.2008)


Sind die wissenschaftlichen Erkenntnisse über die DDR so mangelhaft ? Irina Liebmann behauptete in NDR-Info anlässlich ihrer Biografie über ihren Vater Rudolf Herrnstadt, dass das Wissen über die DDR in ein Loch zu fallen drohe. Was über die DDR berichtet werde, sei klischeehaft.mehr
(02.06.2008)



Das System selbst erzeugt die Bildungs-

und Armutsmisere in Deutschland


Eine von vielen Ursachen der sich ständig verschlimmernden Bildungs- und Armuts-
misere : Wenn sowohl für kleine und große Einkommen derselbe Prozentsatz für eine
Erhöhung angewendet wird, so kommt es zu einer großen Diskrepanz in der Entwicklung
des Einkommens. Damit aber nicht genug; in den höheren Etagen werden ja nicht einmal
mehr die gleichen Prozentsätze für die Erhöhungen angewendet, und hier handelt es
sich oft um das ca. Zwanzigfache der Einkommen von Normalverdienern, was 2000 %
entspricht. Das Schlimmste aber kommt erst noch : Eine Änderung wird trotz
vielseitiger Entrüstung nicht möglich sein, denn die Elite müsste es selbst ändern
Das Problem hat nichts mit einer Neiddiskussion zu tun, denn wir leben längst schon
nicht mehr in einer Leistungsgesellschaft sondern in einer durch die Lobbies
bestimmten Blender-, Betrüger- und Abzockergesellschaft. Sei es in den Bereichen
Energieerzeugung, Pharmaindustrie, Handel oder Börse, es werden mit
wissenschaftlicher Akribie die unlautersten Methoden zur Manipulierung der Geldströme
im Interesse der eigenen Gier perfektioniert, was zu einem prekären Mangel in anderen
Bereichen führt. Die Politik, deren vorrangige Bestimmung umsichtiges und voraus-
schauendes Handeln ist, wird von den Vereins- und Wirtschaftslobbies massiert und von
den aktuellen, katastrophenartigen Problemen gehetzt, die sie zum großen Teil selbst
verursacht hat.
(21.05.2008)



Elvis in Familie

2007 jährte sich zum 30. Male der Todestag von Elvis Presley. Im Haven Höövt von Bremen-Vegesack machte im Juni 2007 die durch Deutschland tourende Elvis-Ausstellung Station. Hatte sich Elvis in seinen letzten Jahren mehr von "seinen Jungs" vereinnahmen lassen, oder geht sein frühes Ende auf schon länger währende psychische Probleme
zurück ? Hatte er zu früh seinen Erfolg und hätte ein besserer Bildungsweg ihn in die Lage versetzt, seine Probleme besser zu bewältigen ?
Die Frau des legendären Stars erzählt sehr offen und warmherzig in "Elvis und ich".
(05.12.2007)

Kommt das Ende unserer Demokratie, wenn die Privilegierten so weitermachen dürfen?



Karl Lauterbachs Werk "Der Zweiklassenstaat" hat für die heutige Analyse des deutschen Dilemmas in etwa die Bedeutung wie Carl Friedrich von Weizsäckers "Wege in der Gefahr" für die damalige Analyse des Ost-West-Konflikts während des Kalten Krieges.
"Von der Wiege bis zur Bahre herrscht in Deutschland der Zweiklassenstaat. Vom Bildungssystem profitieren vor allem Kinder höherer Schichten, intelligente Arbeiter- und Migrantenkinder werden nicht gefördert. Auch in der Wirtschaft trumpft Herkunft über Leistung ... In unserem Zweiklassen-Gesundheitssystem bezahlt der Bürger einen Mecedes und fährt einen Golf, damit einige wenige Privilegierte im Rolls-Royce chauffiert werden können..."
(19.11.2007)


Sind wir in den letzten Wochen Zeugen einer modernen Hexenjagd geworden ? Jedenfalls hat doch wohl Johannes B. Kerner in seiner Talk-Show, oder sollte ich vielleicht sagen in seinem Gesinnungsprozess mit einigen Geschworenen, seine Kompetenzen als Moderator überschritten, als er Eva Hermann hinauswarf. Eva Hermann wurde bewusst missverstanden. Sie hatte immer wieder darauf hingewiesen. Aber eine Menge "Möchtegern-Gutmenschen" versuchten, sich in den letzten Wochen auf Eva Hermanns Kosten zu profilieren. Eva Hermann sorgt sich mit Recht um die Werte in unserer Gesellschaft, die doch das wichtigere Thema wären, und nicht das "Schwingen der braunen Keule" an unangebrachter Stelle.
(28.10.2007)

Noch im 8. Jahrhundert nach Christus war es auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands gar nicht so ungewöhnlich, wenn Kinder ausgesetzt wurden, war es gar Teil des Umgangs miteinander, den anderen zu erschlagen. Es war die Zeit vor der Christianisierung durch Karl den Großen. Gewiss waren auch die Methoden der Kriegsführung Karls des Großen nicht zimperlich, aber aus der damaligen Sichtweise verstand sich Karl der Große als Christ und in der Folge seiner Machtausübung und Unterstützung des Papsttums wurde Europa christlich. Und noch heute sind die christlichen Werte die Grundlage des Wertekanons der Demokratie in Europa. Da ist es doch wohl heute legitim zu fragen, liegt es daran, dass in Deutschland sich eine Tendenz der Abkehr von den christlichen Werten abzeichnet, wenn wieder vermehrt Kinder ausgesetzt werden und die Gewalttätigkeiten in ihrer Quantität und Brutalität zunehmen ?



Am 28.04.2007 verstarb einer unserer großen deutschen Universalgelehrten, Carl Friedrich von Weizsäcker, in Söcking am Starnberger See im Alter von 94 Jahren. Ich persönlich verbinde mit seinem Namen neben dem Wissen um seine außerordentlichen Leistungen auf dem Gebiet der Kernphysik seine Aktivitäten als Philosoph und Friedensforscher. In der DDR war ich gewissermaßen in einer passiven Resistance 3 Jahre nicht mehr in meinem Beruf als Physiker sondern als Rentamtleiter bei der Evangelischen Kirche tätig. Ich hatte dort die Möglichkeit, auch Literatur aus dem freien Teil Deutschlands zu lesen. So konnte ich glücklicherweise die Studie über Wirtschaft, Gesellschaft und Kriegsverhütung, "Wege in der Gefahr", von Carl Friedrich von Weizsäcker lesen, ein besonderes Erlebnis damals für mich. Eine sehr lehrreiche Feststellung von Carl Friedrich von Weizsäcker : Es ist wesentlich schwieriger für ein Gleichgewicht zu sorgen als für das Gegenteil davon.







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